Aktuelles

Gemeinsame Medien-Information: 14.12.2015

Schleswig-Holstein: 
Perspektiven für Schutzsuchende – 180 Arbeitgeber bei Informationsveranstaltung in Büdelsdorf

180 Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind heute (14.12.2015) der Einladung der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, der IHK und der HWK Schleswig-Holstein, des UV Nord, des DGB Nord und des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein gefolgt und konnten sich praxisbezogen über Fragestellungen bei der Integration von Flüchtlingen in den  Betrieb (Praktika, Ausbildung, Arbeitsaufnahme) informieren.   

„Wir freuen uns, Gastgeber und auch Teilnehmer für diese wichtige Veranstaltung in Schleswig-Holstein zu sein. Auch wenn es bei der Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt natürlich viele Hürden wie zum Beispiel fehlende Deutschkenntnisse gibt, liegt uns das Thema am Standort Büdelsdorf sehr am Herzen“, sagte Torsten Fritz, Personalleiter am Standort in Büdelsdorf der freenet Group. „Ein erstes positives Beispiel ist ein Praktikant, der im Oktober 2014 nach Deutschland geflüchtet ist, und Anfang 2016 ein Praktikum in der IT zur Ausbildungserprobung absolvieren wird“, so Fritz weiter. 

In der einleitenden Talkrunde sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit: „In den nächsten zehn Jahren wird die Erwerbsbevölkerung in Schleswig-Holstein um rund 90.000 Personen gesunken sein. Die Zuwanderung von Schutzsuchenden bietet die Chance, einen Teil der drohenden Fachkräftelücke zu schließen. Das wird nicht von jetzt auf gleich gehen, denn Spracherwerb, berufliche Orientierung und Qualifikation brauchen Zeit. Schutzsuchende sind also nicht die Fachkräfte von heute oder morgen, sondern von übermorgen. Es braucht einen langen Atem und das nachhaltige, beharrliche Engagement aller Partner am Arbeitsmarkt, die heute hier versammelt sind.“

Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, betonte: „Schleswig-Holstein braucht Zuwanderung,um die Fachkräftelücke der Zukunft zu decken. Hier das Potential der Flüchtlinge zu heben,ist eine große Heraus-forderung, die alle Arbeitsmarktakteure gemeinsam anpacken müssen. Hier begrüße ich sehr das Engagement der Wirtschaft. Nächster wichtiger Schritt ist die Überwindung der fehlenden Sprachkompetenz. Die Flüchtlinge müssen möglichst schnell in Sprache befähigt werden, wenn sie entsprechend ihrer beruflichen Potenziale auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden sollen oder eine Ausbildung beginnen wollen. Hier sind alle Akteure gefordert, vor allem auch der Bund, der bereits massive Maßnahmen plant.“  

Britta Ernst, Ministerin für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein, hob die Bedeutung der berufsbildenden Schulen hervor: „Berufsbildende Schulen und Regionale Bildungszentren sind Dualpartner der Wirtschaft und schaffen Perspektiven für junge Menschen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit; sie sind zudem bei der Beschulung von Flüchtlingen von großer Bedeutung. Es gelingt ihnen, individuell auf den sehr unterschiedlichen Bildungs-und Sprachstand der Schülerinnen und Schüler einzugehen. Zudem können grundlegende Kenntnissen der Arbeits-und Berufswelt praxisbezogen vermittelt werden.“

Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord, betonte die große Bereitschaft der Unternehmen in Schleswig-Holstein, Schutzsuchenden eine Chance zu geben: „Sensationell ist es, dass sich nach aktuellen UV Nord-Umfragen 74% der Unternehmen in Schleswig-Holstein bereiterklären, Praktika-, Arbeits-und Ausbildungsplätze anzubieten und immerhin 5% bereits über gute Erfahrungen verfügen. Natürlich wird der Zuzug von Flüchtlingen unser demographisches Problem nicht ausschließlich lösen, insofern warne ich vor zuhoch geschraubten Erwartungen.“

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, appellierte: „Arbeitgeber, die wirklich diese Chance für Fachkräfte im demographischen Wandel nutzen wollen, müssen ihre Unternehmen interkultureller aufstellen, eine betriebliche Willkommenskultur schaffen, für ein offenes Klima in Führung und Belegschaften gegenüber Flüchtlingen aber auch gegenüber Langzeitarbeitslosen sorgen. All dies geht am besten im Zusammenwirken der Sozialpartner, da sind auch die Betriebsräte gefragt. Flüchtlinge durch Umgehung des Mindestlohns als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen und Belegschaften gegeneinander auszuspielen, werden die Gewerkschaften nicht hinnehmen.“

Dirk Nicolaisen, stellvertretender Hauptgeschäftsführerder IHK Flensburg, sagte:"Die Industrie- und Handelskammern werden in den Aktionsfeldern „Beratung und Information der Betriebe für die Ausbildung und Qualifizierung“, „Berufliche Orientierung für Flüchtlinge“ und „Vermittlung in Praktika und Ausbildung“ aktiv. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass das deutsche System der beruflichen Bildung für viele Flüchtlinge noch gänzlich unbekannt ist. Insbesondere jungen Flüchtlingen werden daher wichtige Informationen vermittelt und Chancen aufgezeigt – zum Beispiel mit Betriebsbesuchen oder über Praktika. Die IHKs werden zudem bei der Vermittlung in Einstiegsqualifizierung und Ausbildung unterstützen."

Günther Stapelfeldt, Präsident der HWK Schleswig-Holstein, unterstrich: „Unsere Betriebe und die handwerklichen Organisationen sich schon heute in zahlreichen Projekten zur Integration von Flüchtlingen und zur Vermittlung in Praktika, Ausbildung und Beschäftigung engagiert. Im Projekt „Handwerk ist interkulturell“ beraten wir in Lübeck Flüchtlinge und Bleibeberechtigte und vermitteln in Sprachkurse, Praktika oder auch in Ausbildung. Seit dem Projektstart 2010 haben wir über 800 Flüchtlinge und Bleibeberechtigte beraten. 48 unbegleitete Flüchtlinge werden in der Berufsbildungsstätte der Handwerkskammer Flensburg mit Sprachunterricht und fachpraktischer Unterweisung in verschiedenen Berufen auf eine Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung im Handwerk vorbereitet.“

In den anschließenden Workshops wurden konkrete Fragestellungen zur Ausbildung und Beschäftigung von Fachexperten beantwortet, Erfahrungen wurden ausgetauscht, und Netzwerke wurden intensiviert.

Arbeitgeber konnten ihren Personalbedarf direkt in der Veranstaltung anmeldenund besprechen die dafür notwendigen Schritte noch in dieser Woche mit dem Arbeitgeberservice der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter.


Präsentation des Impulsvortrages (zum Download)


Ansprechpartner: 

Harald Haase 
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit,Verkehr und Technologie,
Telefon: 0431-988-4420 
harald.haasenoSpam@wimi.landsh.de

Horst Schmitt 
RD Nord der BA 
Telefon: 0431-3395-5160 
nord.pressemarketingnoSpam@arbeitsagentur.de





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