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Partner der Fachkräfte-Initiative stellen Weichen für die nächsten Jahre: Mit „Branchencheck“ und „Rückenwind“ den Bedarf von morgen absichern

KIEL. Angesichts eines zusätzlichen Bedarfs von rund 97.000 Fachkräften in Schleswig-Holstein bis zum Jahr 2030 hat die Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ (FI.SH) weitere Weichen gestellt: Die 23 Partner der 2012 gegründeten Initiative verabschiedeten heute (25. April) in Kiel ihren zweiten Umsetzungsbericht und fassten zugleich 16 Beschlüsse für die weitere Arbeit (siehe Anhang).

So soll etwa am Beispiel der Logistikbranche ein „Branchencheck“ zur Fachkräftesicherung entwickelt und dieses Analyse- und Beratungsinstrument dann auch an weiteren Branchen erprobt werden. „Dadurch sollen die Unternehmen konkrete Hinweise bekommen, ob und wie beispielsweise Karrierewege, Arbeitsbedingungen oder das Image ihres Sektors verbessert werden könnte, um mehr Fachkräfte anzulocken“, erläuterte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer.

Darüber hinaus will die Fachkräfteinitiative im Bereich der Pflegeberufe stärker die Werbetrommel für erfolgreiche Projekte zur Fachkräftesicherung rühren. „Beim Kieler Projekt ,Rückenwind’ etwa besuchen Schüler der Goethe-Gemeinschaftsschule für ein Jahr verpflichtend Altenheim-Bewohner und stärken auf diese Weise neben ihrer Sozialkompetenz ihr Wissen über Sozialberufe“, sagt Meyer. Branchenübergreifend solle zudem untersucht werden, ob mehr junge Menschen etwa durch duale Studienangebote enger an die mittelständisch geprägte Wirtschaft des Landes gebunden werden können, um so einerseits der steigenden Tendenz zum Studium und andererseits dem Fachkräftebedarf besser nachzukommen.

Meyer dankte den Fachkräfte-Partnern für den „bunten Mix aus kreativen Vorschlägen“. In den verschiedenen Handlungsfeldern der Fachkräfteinitiative hätten in den letzten Jahren diverse Arbeitsgruppen getagt – zusammengesetzt aus Vertretern der Sozialpartner, Mitgliedern von Vereinen, Verbänden, Kammern, Ministerien und vielen anderen Organisationen. Parallel dazu erfolgte durch das inzwischen etablierte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) und speziell durch die Fachhochschule Kiel ein professionelles Monitoring über fachkräfterelevante Indikatoren. Meyer: „Das hilft uns, die Relevanz der vielen Themen und Arbeitsfelder deutlich konkreter zu beurteilen.“
Als besondere Schwerpunkte der Beschlüsse hob Meyer neben den Bereichen Pflege, Tourismus und Logistik die Zuwanderung und die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt hervor. Auch hier habe die Fachkräfte-Initiative – etwa mit dem flächendeckenden Angebot an Zuwanderer, 15-monatige Kurse zur Sprach- und Kulturvermittlung zu absolvieren, eine wichtige Weichenstellung vorgenommen.

Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, betonte: „Angesichts des demografischen Wandels und des stetig wachsenden Fachkräftebedarfs müssen wir alle Potentiale entwickeln und nutzen. Zu diesen Potentialen gehören allein aufgrund der Altersstruktur – rund die Hälfte ist unter 25 – auch die Schutzsuchenden. In diesem Jahr werden 1.300 Flüchtlinge die Berufsschulklassen verlassen. Im Rahmen der Berufsorientierung und der anschließenden Beratungsgespräche ist es ein Ziel, die jungen Menschen über unterschiedliche Anschlussangebote – etwa die Einstiegsqualifizierung oder das landesspezifische Kooperationsprojekt ‚Sprungbrett in Ausbildung‘ – zu informieren und ihnen zu versichern: Für alle steht ein Anschlussangebot bereit, mit dessen Hilfe sie 2017 in eine Ausbildung einmünden können.“ Wichtig sei ihr bei bei diesem Thema allerdings auch der Hinweis: „Integration braucht Zeit und sie ist auf das anhaltende Engagement aller Arbeits- und Netzwerkpartner angewiesen.“

Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord machte deutlich, dass Fachkräfte gute Arbeitsbedingungen erwarten: „Zum Wirtschaften gehört eben auch und vor allem die Wertschätzung von Arbeit. Die sozialversicherte Beschäftigung im Land steigt, vor allem in Niedriglohnbranchen ist der Trend positiv. Gute Löhne sind das beste Argument, um Fachkräfte zu gewinnen. Deshalb müssen die Sozialpartner im Norden die Tarifbindung erhöhen, noch liegt sie nur bei etwa 60 Prozent der Beschäftigten.“ Mehr Tarifbindung müsse im gemeinsamen Interesse sein und wäre nur fair gegenüber den bereits vertragstreu zahlenden Arbeitgebern, so der DGB-Chef weiter. „Für Einwanderer und Neubürger muss ein Maximum an Integration angestrebt werden, auch Integration in Arbeit und Ausbildung – hier ist auch die Bundesregierung weiter gefragt. Zudem müssen mehr und geeignete Ausbildungsplätze angeboten werden, die Ausbildungsqualität kann steigen. Jeder Mensch hat ein Talent, man muss es nur entdecken und fördern.“

Ein wichtiger Baustein in der Fachkräftesicherung sei die duale Ausbildung, betont Friederike C. Kühn, Präsidentin der IHK Schleswig-Holstein. „Mitte April verzeichneten wir eine Steigerung bei den Ausbildungsverträgen um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist ein gutes Ergebnis vor dem Hintergrund eines doppelten Abiturientenjahrgangs. Wir hatten immer darauf hingewiesen, dass die Absolventen des doppelten Abiturientenjahrgangs eine Chance in den Unternehmen bekommen werden - und die Wirtschaft hält Wort", so Kühn. Die Zahl der Ausbildungsverträge mit Abiturienten habe sich um 15 Prozent erhöht. „Nach der Ausbildung kommt die Weiterbildung. Auch hier haben wir leicht steigende Zahlen verzeichnet und gehen davon aus, dass sich die Weiterbildungsbeteiligung mit der Neuregelung des 'Meister-BAföG' weiter erhöhen wird“, so Kühn.

Nach den Worten des Präsidenten der schleswig-holsteinischen Handwerkskammer, Jörn Arp, sei das Handwerk in Schleswig-Holstein ohne qualifizierten Nachwuchs nicht überlebensfähig. „Eine Lücke bei den Fachkräften mit einer beruflichen Ausbildung würde unsere Betriebe daher in besonderem Maße treffen. Aus diesem Grund setzen wir große Hoffnungen in die Maßnahmen der Fachkräfteinitiative zur Stärkung der dualen Ausbildung. Besonders die Förderung der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung ist hierbei ein wichtiger Baustein. Das Handwerk will durch eine kontinuierliche Steigerung der Ausbildungsqualität seine Attraktivität für junge Menschen erhöhen. Daneben sind neue Ansätze zur Bindung von Fachkräften zu entwickeln, hier brauchen unsere Betriebe Ideen aus der Initiative“, sagte Arp.

Michael Thomas Fröhlich, UVNord-Hauptgeschäftsführer stellte abschließend fest: „Der Umsetzungsbericht mit seinen Beschlüssen zeigt die Dynamik der Fachkräfteinitiative. Alle Partner bringen sich aktiv ein, um die bereits spürbare Fachkräftelücke so gering wie möglich zu halten. Für die Arbeitgeber im Land wird es eine der herausforderndsten Aufgaben der Zukunft sein, ausreichend Fachkräfte für ihre Unternehmen zu finden und zu halten! Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW) liefert wertvolle Impulse, für die stetige Weiterentwicklung der Fachkräfteinitiative. Wir sind im echten Norden auf dem richtigen Weg!


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