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Bildungspolitische Positionsbestimmung der Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein

Bildungspolitische Positionsbestimmung der Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein

„Die Zukunft des Nordens hängt entscheidend von seiner Innovations- und Wirtschaftskraft ab. Ein wesentlicher Schlüsselfaktor ist dabei die Bildung. Sie ist Voraussetzung für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, lebenslanges Lernen und damit Basis für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe. Daher hat der Bildungspolitische Ausschuss von UVNord unter dem Vorsitz von Klaus-Hinrich Vater eine bildungspolitische Positionsbestimmung vorgenommen und in einem zweiten Teil auch zahlreiche Beispiele für das Engagement der Arbeitgeber im Norden aufgezeigt. Sie unterstützen mit ihren vielfältigen Aktivitäten von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Weiterbildung; sie initiieren zahlreiche Projekte und begleiten diese nachhaltig. Entscheidend für den Bildungsstandort Hamburg/Schleswig-Holstein wird es sein, am Puls der Zeit zu agieren und notwendige Reformen zügig umzusetzen,“ so UVNord-Präsident Uli Wachholtz.

Bildungspolitische Ziele von UVNord im Überblick:

  • Wir brauchen ein Bildungssystem, das Kindern frühzeitig die gleichen Startchancen ermöglicht und sie gezielt fördert – und das nicht erst in der Schule.

  • Dabei müssen neben fachlichen auch überfachliche Kompetenzen gefördert werden. Es gilt, Neugierde und Spaß am Lernen zu entwickeln und zu erhalten – und das ein Leben lang.
    Kindertageseinrichtungen bzw. Kinder- und Familienzentren leisten einen wichtigen Beitrag bei der Förderung kognitiver, sozialer und motorischer Fähigkeiten und legen damit die Grundlage für den weiteren Bildungserfolg. Wir fordern daher ein kostenfreies tägliches Betreuungsangebot schon ab der Krippe wie in Hamburg auch in Schleswig-Holstein. Dazu gehören ausreichend qualifiziertes Personal, das mit entsprechenden Standards auf die gewachsenen Anforderungen (z. B. im Bereich der Sprachentwicklung oder Inklusion) reagieren kann, sowie ein entsprechendes Weiterbildungsbudget.

  • Wir setzen nicht auf Strukturdebatten, sondern auf Qualitätsentwicklung, neue Konzepte und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern.

  • Wir bekennen uns sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein ausdrücklich zum 2‑Säulen-Modell mit Gymnasien und Stadtteilschulen bzw. Gemeinschaftsschulen sowie zu G8 an Gymnasien. Statt neuer Strukturdebatten muss die Qualität von Unterricht im Vordergrund stehen. (Hätten wir uns auch in SH gewünscht) Dazu gehört die Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler genauso wie die Inklusion gehandicapter und die Integration von zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Gefordert sind neue Konzepte, eine stärkere Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern (z. B. im Bereich der Berufsorientierung) sowie angemessenen Rahmenbedingungen für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler.

    Insbesondere von gebundenen Ganztagsschulen erwarten wir uns eine intensivere Förderung und bessere Leistungen aller Schülerinnen und Schüler. Erfreulich ist die Ganztagsentwicklung in Hamburg. In Schleswig-Holstein sehen wir noch Handlungsbedarf.

  • Keine/r darf verloren gehen – deshalb fordern wir eine Intensivierung der Berufs- und Studienorientierung sowie eine Stärkung der ökonomischen Bildung und der MINT-Fächer.
    UVNord unterstützt in zahlreichen Hamburger und Schleswig-Holsteiner Gremien Reformen, die den Übergang von der Schule in den Beruf unterstützen. Jüngstes Beispiel sind die neuen Rahmenvorgaben für die Berufs- und Studienorientierung in der Oberstufe – ein Thema, das den Arbeitgebern angesichts steigender Zahlen von Studienabbrechern am Herzen liegt. Insbesondere in der Berufs- und Studienorientierung zeigen unsere SCHULEWIRTSCHAFT-Organisationen, aber auch unsere Mitgliedsverbände vielfältiges Engagement. Und das ist nötig, denn zahlreiche Unternehmen verzeichnen einerseits jetzt schon einen eklatanten Fachkräftemangel, andererseits fokussieren sich viele Jugendliche weiterhin auf die „Hitliste“ der 20 bekanntesten Berufe.
    In einer globalisierten Welt erachten wir es aber auch als unerlässlich, dass Schülerinnen und Schüler schon früh wirtschaftliches Grundwissen erwerben und ökonomische Fakten und Zusammenhänge kennen, einordnen und bewerten können. Das gleiche gilt für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Hier sehen wir Handlungsbedarf bei den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Wir fordern durchgängige, früh einsetzende Curricula und praxisnahe Kontexte, die Neugier, Interesse und Begeisterung wecken. Dass dies gelingen kann, zeigen jetzt schon zahlreiche Projekte. Beispiele finden sich in einer zweiten Broschüre, die das vielfältige Engagement der Arbeitgeber in Hamburg und Schleswig-Holstein dokumentiert.

  • In einer zunehmend digitalisierten Welt müssen sowohl Lernende als auch Lehrende über alle wesentlichen digitalen Kompetenzen verfügen. Dazu bedarf es einer hinreichenden Qualifizierung von Lehrenden in allen Bildungsbereichen.
    Die Digitalisierung schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran. Schülerinnen und Schüler, aber auch Lehrkräfte müssen zwingend über digitale Kompetenzen verfügen und die Einbettung digitaler Medien in gesellschaftliche und unternehmerische Gesamtzusammenhänge verstehen – nicht nur als Konsumenten, sondern als aktive Mitgestalter. Wir befürworten daher die KMK-Strategie zur digitalen Bildung und fordern die Länder auf, rasch in die notwendige Infrastruktur zu investieren sowie allgemeinbildende und berufliche Schulen finanziell und administrativ zu unterstützen. Zudem müssen Lehrkräfte entsprechend aus- und fortgebildet werden, damit digitale Bildung fächerübergreifend integriert werden kann.

  • Wir sehen Diversität als Chance und setzen uns für Inklusion und Integration ein. Ziel muss es sein, allen Menschen Teilhabe- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen.
    Insbesondere in der frühkindlichen Bildung, aber auch in der Schule werden wichtige Grundlagen gelegt. Wir unterstützen ausdrücklich das Ziel einer inklusiven Schule mit entsprechenden Räumlichkeiten, hinreichend qualifizierten Lehrkräften, aber auch den notwendigen personellen Ressourcen. Gleichwohl müssen sich Eltern auch für eine Förderschule für ihr Kind entscheiden können.

    UVNord wirkt in Gremien beider Länder mit, die sich für mehr Inklusion stark machen und setzt sich bei Unternehmen für mehr Teilhabe- und Beschäftigungsmöglichkeiten ein.

  • Nach wie vor sehen wir in der dualen Ausbildung ein Erfolgsmodell. Sie ist am Arbeitsmarkt ausgerichtet und für alle Jugendlichen attraktiv: für leistungsstarke und –schwächere, für Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund, für Jugendliche mit Handicaps.
    Für das Modell der dualen Berufsausbildung wird Deutschland weltweit beneidet. Doch angesichts des zunehmenden Trends zum Studium gilt es auch bei uns, die Vorteile einer dualen Berufsausbildung wieder stärker in den Vordergrund zu stellen: Verzahnung von Theorie und Praxis, Arbeitsmarktrelevanz, gute Übernahme- und Karrierechancen und natürlich eine Vergütung von Beginn an. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind so groß wie schon lange nicht mehr. Gerade bei Berufen, die eine duale Ausbildung voraussetzen, ist der Fachkräftemangel besonders groß.

  • Unser Bildungssystem muss auf durchlässig angelegt sein, damit kein Bildungsweg zur Sackgasse wird. Berufliche und akademische Bildung sind als gleichwertig anzusehen.


  • Dafür müssen einerseits Aufstiegsfortbildungen weiter bekannt gemacht und andererseits die Orientierungs- und Unterstützungsangebote an Hochschulen ausgebaut werden.
    Berufliche und akademische Bildung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern sind besser miteinander zu verzahnen. Dazu muss auch eine gelebte Anrechnungskultur beitragen, nicht zuletzt um Qualifizierungszeiten zu verkürzen. Daneben sind Aufstiegsfortbildungen bekannter zu machen. Denn diese lassen sich gut in die Bildungslaufbahn einbauen.

    Angesichts steigender Studienabbrecherzahlen müssen aber auch die Hochschulen ihre Orientierungs- und Unterstützungsangebote sowie ihr Angebot an Brückenkursen weiter ausbauen, Kompetenzfeststellungsverfahren entwickeln und die Beratung für Studienanfänger, Studienum- und –aussteiger intensivieren. Auch Angebote für ein Probestudium sollten ausgebaut werden.

  • Maßstab für berufliche Weiterbildung muss weiterhin die Bedarfsorientierung und Anwendbarkeit am Arbeitsplatz sein.
    Technologischer Wandel und demografische Entwicklung sorgen gleichermaßen dafür, dass die Nachfrage nach Weiterbildung und Qualifizierung der Beschäftigten auf allen Hierarchieebenen steigt – gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung und den hiermit einhergehenden Anpassungsforderungen für Arbeitsplätze. Die Unternehmen benötigen daher gute Personalentwicklungskonzepte, die neben der fachlichen Weiterbildung auch Soft Skills umfassen, um ihre Beschäftigten für veränderte und zukünftige Aufgaben und Prozesse fit zu machen. Dabei muss Maßstab für berufliche Weiterbildung die Bedarfsorientierung und Anwendbarkeit am Arbeitsplatz sein. Dies entscheiden Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Eigenverantwortung. Viele Unternehmen übernehmen dabei schon jetzt die Kosten für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellen sie auch für die Zeit der Qualifizierung von der Arbeit frei.

    Pläne für die Weiterentwicklung einer Bundesagentur für Arbeit zu einer Bundesagentur für Weiterbildung werden abgelehnt.

 

04.08.2018

Positionsbestimmung der Arbeitgeber als PDF

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