Aktuelles

UVNord-Präsident Wachholtz: Wirtschaft fordert Plan zur Bewältigung der Corona-Pandemie

Auf Sicht fahren reicht nicht mehr!

Bundeshilfen müssen schneller fließen!

Finger weg von zusätzlichen Belastungen der Wirtschaft durch
ein Lieferkettengesetz, Einschränkungen von Zeitarbeit und Werkverträgen sowie Recht auf Home-Office!

Hamburg. Pandemiebedingt fand heute der traditionelle UVNord-Neujahrsempfang in einem virtuellen Format statt. Hauptredner der Veranstaltung waren der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Peter Tschentscher und der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein Daniel Günther, die zu den „Perspektiven 2021“ sprachen.

UVNord-Präsident Uli Wachholtz ging mit deutlichen Worten auf die aktuelle wirtschafts­politische Situation ein:

„Nach zehn Monaten im ‚Pandemie-Modus‘ muss von Improvisieren auf Strategie umgeschaltet werden. So wie bisher kann es nicht weitergehen. Das Improvisieren war gut für den Moment, jetzt brauchen wir eine Perspektive für die kommenden Jahre. Was sind die wichtigsten Sofortmaßnahmen, was soll passieren bis wir Herden-Immunität erreicht haben und was sind die wichtigsten Meilensteine nach der Pandemie? Das sind Fragen, die jeden Mittelständler in der Wirtschaft ebenso umtreiben wie auch Schülerinnen und Schüler. Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Pandemie eine besondere Herausforderung ist. Doch die Tatsache ist kein Freifahrtschein für kurzatmiges Handeln als Dauerzustand. Wir müssen jetzt definieren, welche Rahmenbedingungen wir für eine erfolgreiche Zukunft brauchen, was die Zukunftsthemen sind, die wir voranbringen müssen.

Außerdem warnte der UVNord-Präsident: „Nicht nur wegen der enormen pandemiebedingten Verschuldung blicke ich mit gemischten Gefühlen auf das vor uns liegende Jahr. Aus Berlin kommen jede Menge falsche Signale zur völlig falschen Zeit: Wir brauchen keinen Rechtsanspruch auf Homeoffice und keine neuen Reglementierungen! Genauso wenig brauchen wir die Einschränkung von befristeter Beschäftigung! Wir brauchen keine schleichende Abschaffung von unverzichtbaren Werkverträgen und Zeitarbeit! Und was wir gar nicht brauchen, ist ein Lieferkettengesetz, das den Unternehmen Auflagen zu Dingen macht, die sie selber überhaupt nicht beeinflussen können. Diese Bestrebungen passen überhaupt nicht in diese Zeit.“

Für den Norden Deutschlands machte Wachholtz deutlich, dass dieser seit Jahrzehnten hinter dem Süden zurückbleibt. Alle norddeutschen Länder betreffe das ähnlich. Von Forschern und Gutachtern wird als wichtiger Faktor hierfür immer wieder die politische Fragmentierung in den fünf Bundesländern benannt. Nicht zuletzt die OECD-Studie zur Metropolregion habe hier den Finger in die Wunde gelegt. UVNord drängt seit Jahren auf eine bessere Abstimmung über die Landesgrenzen hinweg und macht auch konkrete Vorschläge wie u. a. mit einer gemeinsamen Landesplanung.

In seiner Rede machte UVNord-Präsident Wachholtz weiter deutlich, dass Hamburg und Schleswig-Holstein weiter vorankommen müssen in der digitalen Entwicklung, dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und dass sich beide Länder weiterhin für eine Vereinfachung des Planungsrechtes in Deutschland einsetzen müssen, wenn Verkehrsinfrastrukturgroßprojekte in Deutschland zukünftig noch zeitgemäß umgesetzt werden sollen.

Zum Thema Innovation führte Wachholtz abschließend aus: „Zu einem immer wichtigeren Faktor in Gesellschaft und Wirtschaft wird das Thema Innovation. Nur wer schnell und fokussiert ist und wer die richtigen Rahmenbedingungen gestaltet, wird zukünftig mithalten können. Für Fortschritte auf diesem Gebiet der Innovation braucht der Norden ein gemeinsam abgestimmtes und zeitnahes Agieren. Das kann nur durch eine engere Vernetzung von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erfolgen. Das Thema Wasserstoff gehört zu diesem gemeinsamen Voranbringen von Innovationen. Wann fangen wir endlich an konkret Nägel dafür einzuschlagen, die üppig vorhandene Windenergie in Form von Wasserstoff zu speichern, zu verarbeiten und zu verbrauchen? Wo ist das Konzept einer Forschungs- und Wertschöpfungskette vom Windrad bis zum Wasserstoffverbrennungsmotor oder der Brennstoffzelle?“

Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher betonte, es komme 2021 darauf an, die Pandemie möglichst bald zu überwinden und an die gute wirtschaftliche Entwicklung bis Ende 2019 anzuknüpfen. „Hamburg hat die Wirtschafts- und Finanzhilfen des Bundes durch eigene Programme ergänzt, um strukturelle Schäden der regionalen Wirtschaft zu vermeiden, Arbeitsplätze zu erhalten und zu einer schnellen Erholung nach der Pandemie beizutragen“, so Tschentscher.

Aber auch vor Corona habe es in manchen Bereichen schon Probleme gegeben. „Die Corona-Hilfen dürfen nicht dazu führen, diese zu verstetigen, sie müssen helfen, sie zu lösen“. Das bedeute, sich konsequenter auf die digitale Zukunft einzustellen und sich von der Nutzung fossiler Energien unabhängiger zu machen. „Ein Schlüssel für den Klimaschutz und die Dekarbonisierung der Industrie sind die Windenergie und die Wasserstoffwirtschaft, für die wir im Norden gute Voraussetzungen haben und für die wir unter den norddeutschen Ländern zusammenarbeiten müssen.“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sicherte der Wirtschaft die Unterstützung der Landesregierung zu: „Uns ist bewusst, dass die zweite Welle viele Unternehmen deutlich härter trifft. Deshalb bedeutet eine schnelle Auszahlung von Überbrückungshilfen das Sichern von Existenzen und den Erhalt von Arbeitsplätzen“, sagte er. Optimistisch stimme ihn, dass sich die Wirtschaft bis zum Herbst sehr dynamisch erholt habe: „Das soll sich in diesem Sommer so wiederholen.“

Um die Folgen der Pandemie zu bewältigen, müsse die Digitalisierung noch konsequenter umgesetzt werden: „Wir müssen das Virus jetzt mit aller Kraft zurückdrängen. Mit dem Rückenwind der vielen Wiederaufbau-Programme können wir dann wieder durchstarten“, sagte Günther. Dabei setze er auf das Mitziehen der Wirtschaft im Norden. An die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber appellierte er, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen, um den Grundsatz „Wir bleiben zuhause“ umsetzen zu können.

 

UVNord ist der wirtschafts- und sozialpolitische Spitzenverband der norddeutschen Wirtschaft und vertritt über seine 107 Mitgliedsverbände die Interessen von mehr als 66.000 Unterneh­men, die in Hamburg und Schleswig-Holstein rund 1,75 Millionen Menschen beschäftigen. UVNord ist zugleich die schleswig-holsteinische Landesvertretung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


Download der Presseinfo als PDF

11.01.2021


„Der November-Corona-Schirm muss deutlich umfänglicher aufgespannt werden! Unter den derzeitigen Bedingungen fallen fast alle nur mittelbar aber...

Weiterlesen

UVNord und IVH geben Konjunkturperspektiven für 2021

Hamburg. Die Jahresveranstaltung „Konjunkturperspektiven 2021“ von UVNord und IVH zur...

Weiterlesen

Neuer Senat trägt höchste Verantwortung in der wegen der Pandemie wohl herausforderndsten Legislaturperiode

Neustart nach Corona muss gelingen!

Wirtsc...

Weiterlesen